Prävention und Gesundheitsförderung als Schulaufgabe!?

Prävention und Gesundheitsförderung als Schulaufgabe!?

Das Grundschulalter ist eine Lebensphase, die durch zahlreiche Entwicklungsschritte und -aufgaben gekennzeichnet ist. Mit dem Übergang in die Schule verändert sich das Leben von Kindern grundlegend; sie unterliegen einem durch das Schulsystem vorgegebenen Rhythmus und sind gefordert, die in der Schule festgelegten Entwicklungs- und Lernaufgaben erfolgreich zu bewältigen. Eine gute Gesundheit und eine angemessene Unterstützung im schulischen und familiären System erleichtert Kindern, die an sie gestellten Herausforderungen erfolgreich zu meistern.

Gesundheit im Grundschulalter im Fokus

Unbestritten ist, dass das Grundschulalter sich besonders eignet, langfristige Effekte auf die Gesundheit sowie auf die schulische und die soziale Entwicklung zu erzielen. In Deutschland steht Kindern im Vorschulalter ein umfangreiches, von den Krankenkassen finanziertes Programm von Untersuchungen bei niedergelassenen Ärzten zur Vorsorge und Früherkennung von Krankheiten zur Verfügung. Als wichtige Lebenswelt kann auch die Schule Mitverantwortung für eine gesunde Entwicklung, für die Prävention und Gesundheitsförderung von Schülerinnen und Schülern, aber auch von Lehrkräften übernehmen. 

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Was ist Prävention?

Prävention kommt vom lateinischen „praevenire“ und bedeutet verhüten, vorbeugen bzw. etwas Negatives oder Schädliches verhindern (Rosenbrock & Gerlinger 2009). Wenn wir bezogen auf die Gesundheit von Prävention sprechen, meint es, dass wir Risiken für unsere Gesundheit vermeiden oder reduzieren möchten (Franzkowiak 2018).

Doch warum ist Prävention wichtig?

Durch die Forschung kennen wir inzwischen viele Risikofaktoren für die Gesundheit: Für bestimmte Stoffe und auch Aktivitäten wurde nachgewiesen, dass sie kurz- oder langfristig zu Erkrankungen führen können. So kann übermäßiger Zuckerkonsum die Zähne schädigen oder zu Übergewicht führen (RKI 2009, 2015). Zu wenig Bewegung kann dazu beitragen, dass die körperliche Fitness nachlässt, das Herz und der Kreislauf darunter leiden oder sich Übergewicht einstellt (RKI 2015). Für Menschen unterschiedlicher Altersgruppen wurden viele unterschiedliche Angebote zur Prävention entwickelt, damit sie gezielt bestehende Risiken vermeiden oder abbauen können.

Worin unterscheiden sich Prävention und Gesundheitsförderung?

Liegt der Blick bei der Prävention auf Risiken, stehen bei der Gesundheitsförderung die Ressourcen im Vordergrund. Ressourcen sind im Unterschied zu den Risiken positiv und förderlich für die Gesundheit (Hurrelmann et al. 2018). Beispiele für Ressourcen sind: sichere Lebensverhältnisse, ein gutes soziales Umfeld und ein guter sozialer Austausch sowie die Fähigkeit, mit Herausforderungen umgehen zu können.

Ressourcen stellen ein wesentliches Element für den Ansatz der Gesundheitsförderung dar. Die Gesundheitsförderung („Health Promotion“) wurde 1986 mit der sogenannten Ottawa-Charta der Weltgesundheitsorganisation (WHO Europa 1986 Ottawa Charta) vorgestellt (WHO 1986). In dieser sind die zentralen Annahmen der Gesundheitsförderung beschrieben. Die Gesundheit und das Wohlbefinden stehen darin erstmalig im Mittelpunkt und lösen damit den Fokus auf Erkrankungen ab. 

Wo setzt Gesundheitsförderung an?

Als wichtiges Grundprinzip gilt: Um mehr Gesundheit für jedes Individuum zu erreichen, gilt es die Ressourcen zu stärken. Die Gesundheitsförderung richtet sich dabei an jede und jeden Einzelnen (verhaltensorientierter Ansatz) sowie an die Lebensverhältnisse (verhältnisorientierter Ansatz) (WHO 1986, Hurrelmann et al. 2018). Die Bedingungen des Lebensumfeldes lassen sich verändern, indem die Orte, an denen sich Menschen aufhalten und ihr Leben verbringen, sich der Gesundheit verpflichten und sich selbst zu gesundheitsförderlichen Orten wandeln. Diese Orte – auch als Settings bezeichnet – sind der Kindergarten, die Schule, der Betrieb oder als Lebenswelt auch die Familie. Seit der Fokus auf Gesundheitsförderung liegt, konnten viele unterschiedliche Projekte durchgeführt werden und unser Wissen zur Gesundheitsförderung hat sich deutlich vergrößert. Inzwischen haben wir eine gute Vorstellung davon, was wir auf dem Weg zu gesunden Kitas, gesunden Schulen und gesunden Betrieben beachten müssen (z. B. Bertelsmann Stiftung 2012; Nieskens, Schumacher & Sieland 2014, Hurrelmann et al. 2018).

Wie kann Gesundheitsförderung aktiv gestaltet werden?

Die Interessen aller Beteiligten sind für eine gute Gesundheitsförderung wichtig. Alle Beteiligten brauchen die Möglichkeit, aktiv mitgestalten zu können (Partizipation). Um die Interessen aller Beteiligten gut einschätzen zu können, bedarf es genauer Informationen zu den einzelnen Mitgliedern eines Settings und zum Setting selbst. Konkret für Schulen bedeutet es: Wo liegen gesundheitliche Risiken und Ressourcen bei den Schülerinnen und Schülern, wo bei den Lehrenden und anderen Mitarbeitenden? Welche Risiken und Ressourcen bergen das Gebäude, der Schulhof und das schulische Umfeld? Je besser die Schule um ihre Risiken und Potenziale weiß, desto besser kann sie konkrete Maßnahmen für mehr Gesundheit und Wohlbefinden aller Beteiligter entwickeln. Gelingen kann dies nur, wenn möglichst alle Mitglieder des Settings sich in diesen Prozess aktiv einbringen können. In Schulen bedeutet dies, dass Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrende und andere Mitarbeitende eine Partnerschaft für Gesundheit und Wohlbefinden in der Schule eingehen, bei der sie nicht nur gemeinsam überlegen, was, wann, wie und wo in der Schule gemacht werden soll, sondern sich auch aktiv an der Umsetzung beteiligen.

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